Vier bewährte Regeln zur Smartphone-Nutzung

Hat die digitale Welt uns im Griff oder sind wir qua Auswahlprozess noch Frau oder Herr über unsere Zeit? Da schütteln wohl alle Eltern den Kopf. Warum wird dann soviel Zeit mit sinnloser Kommunikation und Internetquatsch vergeudet? Und wenn wir uns schon als digital eingeschnürt und fremdbestimmt empfinden – wie leben wir unseren Kindern einen sinnvoll Umgang mit digitalen Angeboten vor?

Erste Regel: Zuerst das Notwendige, dann die Freizeit!

Morgens und abends gibt es immer viel zu tun – aber es ist bei uns auch immer ein Zeitpuffer eingebaut. Wer zügig durchkommt mit Waschen-Ankleiden-Zähneputzen, kann nochmal am Puzzle weiterbasteln oder das Bild fertig malen, bis der Schulbus kommt. Und wenn die Lieblingsserie kommt, kann abends auch eine halbe Stunde vor dem TV gechillt werden, warum nicht. Wer jedoch mit Quatsch die ganze Freizeit verdaddelt, hat hintenraus keine Kapazität mehr, um noch etwas richtig Schönes zu machen.

Zweite Regel: Alternativen bieten

Meine Frau hatte donnerstags immer Nähkurs und ich mußte mich beeilen, zeitig zu Hause zu sein. Da waren alle eigentlich platt, hatten aber noch einen Schul-/Kindergarten-/Arbeitstag vor sich. Anstatt vor der Glotze rumzuhängen, hatten wir es uns zum Ritual gemacht, noch schnell drei Runden Uno oder Maumau zu spielen oder eine Runde Mensch-ärgere-dich nicht. Das lockert durch, frischt auf und andererseits kratzt es nicht so auf wie zwanzig Minuten Toben, nach denen kein Kind der Welt direkt ins Bett gehen kann. Wir haben das beibehalten, auch nach dem Ende von Jules Nähkurs, ab und zu mal schnell drei Runden Uno abends zu spielen. Lustiger und schöner anstatt Glotze, denn man kann ein bißchen frotzeln, siegen und verlieren; das ganze Drama des Lebens nochmal kurz im Miniformat!

Ein probates Mittel gegen übermäßige Smartphone-Nutzung: analoge Erlebnisse.

Ebenso verhält es sich mit Tablet-Zeit und PC-Games. Man muss kräftigere Reize in Aussicht stellen und echte Erfahrungen ins Spiel bringen, gerade Schreibtisch- und Stubenhockernasen brauchen mal einen motivierenden Anstupser. Naturforscher stehen hoch im Kurs: Komm, wir schnappen uns Becherlupe und Fahrräder und fahren in den Wald. Käfer, Rinde, Stöcke, Wasserlöcher – alles ist spannender als vor dem Display abzuhängen. Kaufen Sie kindgerechte Schnitzmesser (Achtung Werbung: Opinel) und basteln Sie Zwillen, Pfeil und Bogen und andere Dinge.

Dritte Regel: Richten Sie Smartphone-freie Zonen ein

Smartphones und andere IT haben im Schlafzimmer, Kinderzimmer und anderen gemeinschaftlich zur Kommunikation und Erquickung genutzten Räumen nichts zu suchen. Wer am Frühstückstisch gedenkt E-Mails zu bearbeiten anstatt seinen schlaftrunkenen Kids zu einem gelungenen Tagesstart zu verhelfen, hat es offenbar nicht kapiert. Ebenso wenig wie derjenige, der vor dem Schlafen noch zwanzig Minuten im Internet surft, dann das Licht ausknipst und merkt: Bin ja gar nicht müde. Hey, Überraschung! Her mit Buch und Zeitschrift, weg mit den Smartphones aus dem Schlafzimmer.

Smartphone-freie Zonen sind wichtig. Bei uns ist es auch das Kinderzimmer.

Zu Smartphone-freien Zonen gehört auch, dass offizielle oder halb-offizielle Kommunikation (wie zum Beispiel in der Klassenvertretung, in der Sportgruppe) nicht per WhatsApp oder oder Facebook stattfindet – nicht jeder will diese Dienste benutzen und allein aus Datenschutzgründen taugen diese Angebote nicht für offizielle Kommunikation, zumal die Diskussion häufig alles andere als zielführend ist. Für Umfragen gibt es schließlich auch Doodle und andere Instrumente, bei deren Benutzung die Teilnehmer häufiger erst nachdenken und dann antworten – bei WhatsApp ist dies meist genau andersherum.

Schenkt man Leuten Glauben, die sich damit auskennen, so haben sich WhatsApp und Facebook jedoch zu so etwas wie dem „digitalen Schulhof“ entwickelt. Unterbinden Eltern die Teilhabe daran, tragen sie Mitverantwortung für die soziale Isolation ihrer Kinder, Mobbing und Abstempelung zum Freak inklusive. Regulieren geht auch hier über Verbieten. Knüpfen Sie Kontakt zu den Eltern anderer Kinder, werben Sie für eine Zeitgrenze, nach der keine Tweets und WhatsApp-Nachrichten mehr verschickt werden dürfen – 20 Uhr, Smartphones aus, Bücher raus und gute Nacht!

Vierte Regel: Fangen Sie bei sich selbst an

Wie bereits gesagt: Verbannen wir Zeitfresser aus unserem Leben, um mehr Zeit fürs Wesentliche zu haben. Natürlich kann man sich Spleens wie bestimmte Netflix- oder TV-Serien gönnen, aber die meiste mobile Kommunikation ist schlicht Nonsens und verzichtbar wie schlechtes Fernsehprogramm, kratzende Wollpullover oder Stau auf dem Weg in die Ferien. Das hört sich jetzt nach „Digital Detox“ an, ist aber das Gegenteil, denn es bedeutet Zielgerichtetheit und Auswahl dessen, was man wirklich braucht und was überflüssig ist.

Und wenn Sie und wir als Eltern diesen Auswahlprozess nicht hinbekommen, wer dann? Soll der Markt es richten? Die hippsten Internet-Angebote gewinnen? Unsere durchschnittlich 60 Jahre alten Lehrer, die IT am ehesten aus den Lehrmaterialien anstatt dem echten Leben kennen? Leben Sie selbst vor, was wichtig ist – und stellen Sie der bunten, aber mitunter dummen digitalen Welt eine facettenreiche analoge Realität der Blüten und Brummer, des flirrenden Fahrtwindes und der emotionalen Erfahrbarkeit der Welt entgegen.

Und wenn Sie wissen wollen, was mein Impuls für diesen Artikel war, finden Sie hier die Antwort: https://www.paidis-world.de/digital-kids-wie-viel-ist-zu-viel/

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