Null-Bock-Generation

Es scheint ein Generationending zu sein, eine Krankheit der Jungen. Den ganzen Tag könnte man im Bett liegen, Netflix schauen, essen. Zum 5. Mal durch Facebook scrollen und immer wieder dieselben Katzenvideos und unglaublich wichtigen Beiträge der zahlreichen „Freunde“ begutachten. Jetzt noch mal ein Eis? Ach, nach Folge 18 der aktuellen Staffel wollte ich sowieso mal schnell auf den Topf huschen.

Der Couchtisch und alles um meinen Platz auf der Couch – oder wahlweise ums Bett – sieht aus wie bei Flodders. Ein Messi scheint sich in meinem Haus verlaufen zu haben.

Das Lied des Abspanns ertönt. Mist, jetzt muss ich mich aus meinem Kissen- und Deckenlager schälen. Aber die Blase drückt und auch der Magen meldet sich zu Wort. Nein, falsch. Das Gehirn ist gelangweilt und ihm fällt ein, in der Küche liegen noch zwei Pfirsiche. Und das Eis habe ich auch noch nicht vergessen.

Wie schaffen das bloß die Superhausfrauen mit ihren Vorzeugekindern, ihren kompletten Alltag perfekt zu managen?

Auf dem Weg ins Bad stolpere ich über den Wäscheberg. Den hätte ich längst gewaschen oder wenigstens in die Kammer getragen, aber jetzt ist die Problematik, dass der große Haufen noch sortiert werden muss. Und außerdem ist gerade kein Wäschekorb frei. In den in unserem Haushalt vorhandenen 7 Körben stapelt sich nämlich frische, noch nicht aufgeräumte Wäsche.

Wieder auf dem Sofa angekommen, empfängt mich der Fernseher, der mich ungeduldig fragt: „Schauen Sie noch?“. „Ja“, drücke ich artig auf der Fernbedienung, mummle mich ein und gucke Folge 19 …

Wie schaffen das nur die Super-Hausfrauen und die Workaholics? Die herumrennenden, mit 5 Kindern gesegneten Organisationstalente des vorherigen Jahrhunderts? Werden die denn niemals müde? Haben die denn niemals einfach „keinen Bock“?

Ist es denn nicht langweilig, andauernd die wiederkehrenden Aufgaben zu erledigen? Da fühlt man sich wie auf dem Laufband. Gerade geputzt – da läuft der Hund durch, nach einem (offensichtlich spannenden) Spaziergang durch Sumpf- und Waldgebiete. Gerade gesaugt, da klopft das Kind die von der Sonne getrockneten Matschschuhe IN der Wohnung ab (anstatt davor). Gerade die Küche geputzt – da packt einen die Lust auf Schnitzel: Fettspritzer an den Wänden, fünf vom Panieren verschmutzte Teller, Fleischspritzer vom Klopfen auf der gesamten Arbeitsplatte und mir. Das Shirt landet auf dem geduldigen Wäscheberg. Und die Küche … na ja, die bleibt halt erstmal so.

„Ganz toll“, denken sich die „älteren“ und fleißigen Leser. „Das bin ja ich“, denkt sich ‚meine Generation‘. „Peinlich, aber wahr“, denke ich mir und schreibe alles auf.

„Das ändert sich, wenn ich erwachsen bin“, habe ich mir mal erhofft. So mit 16. „Wann werde ich denn nun erwachsen?“, frage ich mich jetzt. Mit 26.

Aber immer geht es mir dann auch nicht so und vielleicht liegt das ja dann daran, dass ich eine „Zwischengeneration“ bin und durch meine Mama noch hautnah miterlebt habe, wie es laufen sollte (Meine armen Kinder). Nach getaner Arbeit werde ich heute einkaufen gehen, nach Hause fahren, Rasen mähen und endlich den – nun nicht mehr ganz so geduldigen – Wäscheberg endlich wegräumen. Das nehme ich mir jedenfalls vor. Und vielleicht schaffe ich es auch. Falls mir meine Kleinen keinen Strich durch die Rechnung machen und mich zu sehr in Anspruch nehmen …

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